Gute Freunde kann niemand trennen

Gute Freunde kann niemand trennen,

Gute Freunde sind nie allein,

Weil sie eines im Leben können,

Füreinander da zu sein!

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Aha, ist das so, Herr Beckenbauer?!

In meiner schon sehr langen Liste, an blöden Sachen, die mir (natürlich) passieren, lässt sich auch das Thema Freunde/Freundschaft finden.

Ich erinnere mich an meine beste Freundin in der Grundschule, mit der ich die Schuhe anderer unsympathischer Kindern im Sandkasten vergraben habe, an meine beste Freundin im Gymnasium, mit der ich angelutschte M&Ms aus dem Dachfenster auf ahnungslos vorbeilaufende Passanten geschmissen habe und an eine gute Freundin, die mir immer gut zugeredet hat. Aber irgendwie sind diese ganzen guten und besten Freundinnen/Freunde heute wo ganz anders, vergraben  Schuhe mit jemand anderen und erfreuen sich an angsabberten M&Ms mit jemand anderem …

Ein an einen Westernfilm anmutendes Szenario. Ich stehe in einer Geisterstadt. Über mir kreisen Geier. Ein lustiges, kleines, kugeliges Geäst weht vor mir über die Strasse, und mir wird klar, wir sind die einzingen hier. Das Geäst und ich.

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Freundschaften sind für mich sehr instabile, idealistische Konstrukte .. so wie Antimaterie… und irgendwann fliegen die mit einem großen kawooom (so wie in Illuminati gesehen) ausseinander… oder verpuffen im Wind.

Freunde sind für mich:

  • Menschen denen ich vertrauen kann
  • Menschen die ich gerne habe und für die ich mich einsetzten würde
  • Menschen mit denen mich etwas verbindet
  • Menschen mit denen ich lachen und weinen kann
  • Menschen auf die ich mich verlassen kann
  • Menschen, die sich für mich wegen mir selbst interessieren (und keine Gegenleistung erwarten)

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In Gedanken stehe ich jetzt mit einem Klemmbrett vor der Schlange von Menschen die ich kenne, schaue so verständnisvoll wie die Supernanny, nicke gelegentlich oder schüttle den Kopf, und mache Häkchen um zu sehen auf wen etwas zutrifft. Ziemlich wenige Häkchen habe ich da zu vergeben. Aber nicht weil ich so knauserig oder streng bin, ich bin zu mir selbst eigentlich ziemlich ehrlich. Ernüchternd ehrlich.

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Ich habe viele Bekannte, aber keine Freunde. Das ist das Ergebnis meiner Überlegung.

Nein ich würde niemandem wirklich vertrauen, … nein, die leute wollen mich sicher nicht weinend sehen, sondern so wie immer, gute gelaunt,  … und nein, ich habe nicht das gefühl, dass sich jemand für mich um meinetwillen interessiert. Meist klingelt das Telefon erst, wenn auch etwas gebraucht wird.

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Ich grüble lange darüber nach und finde, dass das kein schönes Gefühl ist.

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Mir wird aber auch klar, dass noch nicht aller Tage Abend ist, weil ich vielleicht manchen Menschen eine Chance geben muss, über meinen Burgraben und meine Mauer zu klettern. Aus einer Bekanntschaft kann sich schließlich auch noch eine Freundschaft entwickeln. Auch wenn ich dessen immer sehr skeptisch bin. Aber wer weiss,…

…vielleicht werfen wir dann irgendwann doch noch angelutschte M&M’s auf ahnungslos vorbeilaufende Passanten, vielleicht sitzt dann doch jemand neben mir wenn ich weine, und vielleicht schaffe ich es auch, jemandem meine seelischen Abgründe anzuvertrauen.

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Wenn ich meine Angst vor Enttäuschung überwinden kann.

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4 Antworten zu “Gute Freunde kann niemand trennen

  1. In der Neon war letzten Monat ein Artikel zu genau dem Thema: http://www.neon.de/kat/fuehlen/freundschaft/273709.html

  2. mit Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen und dachte danach, ja das könnte ich geschrieben habe.

    Mir geht es ebenso – viele Bekannte…, aber Freunde?
    Irgendwann kommt das Nachdenken und es stimmt traurig, wenn man zu dieser Bilanz kommt.

    Aber ich denke, es liegt auch an der eigenen, manchmal viel zu großen Erwartenshaltung. Ich erhoffe von „Freunden“ immer das, wa ich zu geben bereit bin…….. und dann werde ich meistens enttäuscht.

    Liebe Grüße Laura

  3. Ein Satz, in dem dreimal „Nein“ vorkommt, provoziert meinen Widerspruch. Und „ich würde niemandem wirklich vertrauen“ ist so bitter, daß ich jetzt auch erst einmal ein Stück Schokolade brauche, gegen den Nachgeschmack.

    Selbst mit einer leichten Form von Asperger „gesegnet“, kenne ich sowohl das, was Du als Klemmbrett bezeichnest, als auch die Mauern, die selbst gebauten wie die, die andere um einen herum errichten.
    Es hat Jahre gedauert, aus diesem Gefängnis herauszukommen (das ich lange Zeit gar nicht als solches empfunden habe). Manche Dinge „kann“ ich immer noch nicht „einfach so“ wie andere, aber ich weiß um meine Stärken und Schwächen.
    Zu warten, bis ein Prinz kommt und die Mauern einreißt, reicht wohl nicht.

    Daß Du Dich „uns“ Lesern anvertraust, ist ein Anfang, die Mauer von innen heraus zu unterhöhlen. Auch zu lernen: Nicht jeder, der Dir widerspricht, oder die eine Aktion oder die andere Äußerung von Dir nicht gut findet, lehnt Dich prinzipiell ab. Vielen ist es eigentlich egal, und nur ganz wenige wollen Dich wirklich verletzen.

    Und manchmal ist es auch erholsam, wenn man nur für sich selbst ‚man selbst‘ sein kann, ohne Verpflichtungen (reale oder empfundene). Sei Dir selbst ein guter Freund. Vertraue Dir.

  4. Na dann kann ich mich ja glücklich schätzen wenigsten einen Menschen zu haben, den ich laut deiner Definition „Freund“ nennen darf…und das jetzt schon seit etwas mehr als 10 Jahren!!! Aber Kopf hoch irgendwo wartet sicher jemand der sich darauf freut mit die Schuhe zu vergraben oder ausgelutschte M&M´s zu schmeissen…

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